

Renaissance der dunklen Biere...
Zeitreise in die Vergangenheit und zurück in die Zukunft
Es soll ja Menschen geben, die trinken, um zu vergessen. Bei der diesjährigen Ausgabe des bereits zur Institution gewordenen Kleinbrauermarkts auf dem südlichen Münsterplatz, der heuer am 21. und 22. April stattfindet, soll getrunken werden, um sich an in Vergessenheit geratene Biere zu erinnern. Nicht von ungefähr lautet das aktuelle Motto: „Renaissance der dunklen Biere.“
H.G. Wells hätte sich die Augen gerieben: Brauer brauchen keine Zeitmaschine um in die Vergangenheit zu reisen. Ihnen genügen jene Zutaten, die das Reinheitsgebot zulässt und profundes Wissen hinsichtlich der historischen Braukunst. Denn noch vor 100 Jahren suchte man helles Bier vergebens in den Schenken und Gasthäusern. Dunkel war stets das Gebräu, was vornehmlich an den damaligen Möglichkeiten der Brautechnik lag. So gingen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nahezu ausschließlich dunkle Biere über die Tresen, die sich bereits damals durch eine große Aromen- und Farbenvielfalt auszeichneten.
Im Gegensatz zu heutigen Brau- und Mälztechnologien, bekamen die einstigen Brauern keinen rechten Geschmack ins Gebräu, wenn sie helles Malz verwendeten. Also wurde es stärker geröstet, was die Aromen und dunkle Farben zum Vorschein brachte. Je länger und wärmer das Malz „gedarrt“ wurde, so der Fachjargon, desto dunkler wurde das Erzeugnis.
Erst mit der fortschreitenden Brautechnik war es möglich, Malz bei 80 Grad zu darren, was letztlich zu hellen Bieren führte, die die dunklen Vorgänger, deren Malz noch bei 100 Grad und mehr geröstet wurde, allmählich verdrängten. Überbleibsel dieser Tage blieben lange nurmehr regionale Spezialitäten, wie das rheinische Altbier, das bayerische Dunkel und Schwarzbier aus Thüringen.
Mittlerweile besinnt man sich nach und nach wieder der Urbiere mit ihrem gesamten Geschmacks- und Farbenspektrum. Auf dem Kleinbrauermarkt wird jede Brauerei ihr eigenes „Dunkles“ anbieten, das Angebot reicht vom bernsteinfarbenen Märzen über schwarzdunkle Spezialbiere bis hin zu braunroten Bockbieren und trägt die vielfältigsten Karamell-, Schokoladen-, Röst- oder Brotaromen.
Dass die Marktgäste ihre helle Freude nicht nur mit den dunklen Bieren haben werden, dafür sorgt das reichhaltige und unterschiedliche Angebot von über 40 hellen und dunklen Bieren. Wie üblich ist Probieren das Gebot der Stunde, denn es besteht wieder reichlich Gelegenheit, Gerstensaft in vollen Zügen zu genießen. Möglichst umfänglich gelingt dies bei der „Tour de Bier“, auf der neben den üblichen Behältnisgrößen auch 0,1-Liter-Gläser angeboten werden.
Der „Pro-Bier-Pass“ ermöglicht eine lückenlose Dokumentation des Konsumierten - amtlich abgestempelt an den einzelnen Ständen. Inhaber von sechs Stempelabdrücken können anschließend an einer Verlosung teilnehmen und einen „Einkehr-Gutschein“ gewinnen. Für die gute Grundlage der Flüssignahrung sorgen diverse Stände, an denen auch bissfeste Spezialitäten aus Backstube, Käseküche und Wurstkessel zu erwerben sind.
Wer sich obendrein noch theoretisch unterweisen lassen will, sollte das Gespräch mit Braumeisterschülern suchen, die sämtliche Fragen rund um die Braukunst gerne beantworten. Um 11 Uhr am Samstag geht`s los, der Oberbürgermeister Ivo Gönner übernimmt persönlich den Fassanstich. Wie immer wird das Fest auch musikalisch begleitet, am Samstag von der Messhofener Blasmusik, tags drauf von „Jazz up“. 
 Letzte Änderung: 16:15 12/05 2012
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